Vorbereitungsklassen für Flüchtlinge ins zweite Schuljahr gestartet

Die Bertha-Benz-Schule Sigmaringen ist mit dem aktuellen Schuljahr in das zweite Jahr der Schulart VABO, in der junge Asylbewerberinnen und Asylbewerber unterrichtet werden, gestartet. 82 Schülerinnen und Schüler, die unter anderem aus Syrien, dem Irak, Eritrea, Gambia und Afghanistan stammen, wurden eingeschult und werden nun in vier Klassen unterrichtet.

Um dem großen Interesse und der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, konnte die Schule nicht nur eine Klasse mehr als im letzten Schuljahr einrichten, sondern auch zwei weitere Lehrkräfte, Etienne Pylarski und Kalliopi Karra, einstellen, die nun das VABO-Team um Studienrätin Diana Müller mit Tatendrang, Ideen und Engagement unterstützen. Damit sich die unterrichtenden Lehrkräfte für den Unterricht in den VABO-Klassen adäquat vorbereitet fühlen, wurden zu Beginn des Schuljahres zwei schulinterne Fortbildungstage zu den Themen „Informationen zum Islam und Syrienkonflikt“ und „Methodik und Didaktik im Deutschunterricht für Flüchtlinge“ durchgeführt.

 

 

Dass zu Beginn des Unterrichts auch Hürden überwunden werden müssen, kannten die Lehrer des letzten VABO-Durchgangs bereits, denn der fehlenden gemeinsamen Sprache und einer stark heterogenen Gruppe muss mit Kreativität begegnet werden und der Einsatz von Bildern und das Sprechen mit Händen und Füßen bleibt für die ersten Schulwochen unerlässlich. Dabei betont der Klassenlehrer Christoph Ott, der Deutsch und Sport unterrichtet, dass ihm immer wieder auffiele, wie gern die Schülerinnen und Schüler in die Schule kämen und dass ihre Freude und das Interesse am Unterricht und der deutschen Sprache deutlich werde. Neben dem Fach Deutsch werden unter anderem auch die Fächer Rechenkompetenz, Computertechnik, Ethik und Sport unterrichtet.

Da die Abkürzung VABO für „Vorqualifzierung Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse“ steht, impliziert der Name bereits, dass nicht nur das Erlernen des Deutschen im Fokus steht, sondern auch die Vorbereitung auf die Berufswelt in Deutschland erfolgen soll. Damit dies gewährleistet werden kann, lernen die Schülerinnen und Schüler in den Ausbildungswerkstätten der Bertha-Benz-Schule verschiedene Berufsfelder kennen und erhalten im Laufe des Schuljahres die Möglichkeit, Praktika zu machen. In diesem Schuljahr gibt es sechs verschiedene Berufsfelder (Bäckerei, Gastronomie, Verkauf, KFZ-Technik, Farbtechnik und Pflege), von denen die VABO-Schüler drei kennenlernen und die berufsbezogenen Basiskompetenzen vermittelt bekommen.

Wie im letzten Jahr, so wird die Schule auch in diesem Schuljahr versuchen, für einige Schüler Praktikumsplätze zu finden. Der stellvertretende Schulleiter der Bertha-Benz-Schule, Dietmar Lehmann, würde sich freuen, wenn aus Industrie und Handwerk noch Angebote für Praktikumsplätze ab März 2016 kommen würden. Damit die Schüler für den Unterricht gut gerüstet sind, konnten wir uns auch in diesem Schuljahr wieder über eine rege Spendenbereitschaft freuen. Die SMV der Bertha-Benz-Schule rief zu einer Sammlung von Sportkleidung auf, an der sich auch Sportler aus Sigmaringendorf beteiligten.

Das Sportgeschäft „Intersport Sport Dietsche“ in Mengen beteiligte sich mit großem Engagement an der Bereitstellung von Sportschuhen, die unter anderem durch eine großzügige Spende des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Pfullingen finanziert werden konnten. Des Weiteren konnte durch diese finanzielle Spende auch ein Teil der Arbeitssicherheitsschuhe, die dringend für den Werkstattunterricht benötigt werden, unter Beteiligung des Toom Baumarktes in Sigmaringen gekauft werden. Neben diesen Spenden erreichen uns auch immer wieder Sachspenden in Form von Schreibmaterialien. Für all diese Spenden bedanken wir uns im Namen der Schülerinnen und Schüler ganz herzlich.

Wie wichtig der praktische Teil des Unterrichts und die Praktika für die Zukunft unserer Schüler sind, zeigen uns die Schüler des letztes Schuljahres, von denen einige die Berufsausbildung im KFZ- und Metallbereich begonnen haben. Aber auch sie erhalten noch zusätzlichen Sprachunterricht, damit sie dem Unterricht in der Berufsfachschule besser folgen und die Herausforderungen der Arbeitswelt bewältigen können. Ein anderer Teil der Schüler, die im letzten Schuljahr das VABO besuchten und am Ende an der Sprachprüfung teilnahmen, wollen nun im VAB einen Hauptschulabschluss machen.

All diese Schüler sind wunderbare Vorbilder für unsere diesjährigen VABO-Schüler, denn bereits am Einschulungstag zeigten sie in ihrer Tätigkeit als Dolmetscher, was sie innerhalb eines Schuljahres gelernt haben und erzählten, welchen schulischen und beruflichen Weg sie nun gehen.

So wird auch unser Ziel deutlich: Mit dem Ende des VABO-Jahres und dem Bestehen der entsprechenden schriftlichen und mündlichen Deutschprüfung sollen die Schüler neben der Fähigkeit Deutsch zu sprechen auch eine Perspektive für ihre Zukunft haben. 

Diana Müller