Gewerbliche, Ernährungs- und Sozialwissenschaftliche Schule Sigmaringen

Arbeitskreis Schule-Wirtschaft besucht die Berta-Benz-Schule

Einen tiefen Einblick und viel neues Wissen über die Ausbildung vom Berufsnachwuchs der Nahrungsmittelberufe erhielten die Mitglieder vom  wieder aktivierten “Arbeitskreis Schule-Wirtschaft“ bei einem Besuch der Bertha-Benz-Schule Sigmaringen.

Im Namen der Bertha-Benz-Schule Sigmaringen hieß Schulleiter Klaus A. Peter die Mitglieder vom Arbeitskreis unter Vorsitz von Schulrätin Eleonore Wiehl (Staatliches Schulamt), Obermeister Gerold Rebholz (Bäcker-Innung Sigmaringen), den Metzgermeister Harry Knoll (Metzger-Innung Sigmaringen), den Vertreter der Bundesagentur für Arbeit, Geschäftsführer Karl Griener (Kreishandwerkerschaft) und Claudia Baur (Bildungsbüro vom Landratsamt) willkommen. Zugleich informierte Schulleiter Peter seine Gäste darüber, wie schwer es derzeit das Nahrungsmittelhandwerk habe, Nachwuchs zu gewinnen. Ursache dafür seien wohl  auch teilweise mangelnde und fehlende Informationen über diese beiden Handwerkszweige.

Doch dann ging es Schlag auf Schlag: Schulleiter Peter bat seine Gäste zu einem Rundgang durch die Werkstätten mit Blick auf den praktischen Unterricht. Dabei kamen die Pädagogen von der Brechenmacher- und Aicher-Scholl-Schule Bad Saulgau, den Realschulen Mengen und Meßkirch sowie den Werk-Realschulen Winterlingen, Bad Saulgau und Meßkirch mit den Auszubildenden vom Metzgerhandwerk ins Gespräch, die mit dem Zerlegen von Fleischteilen beschäftigt waren. Während die angehenden Fleischereifachverkäuferinnen das fachgerechte Legen von Platten demonstrierten, waren ihre Kolleginnen vom Bäckerhandwerk vollauf damit beschäftigt, die Dekoration geschmackvoller Schaufenster an zu fertigen. Hochbetrieb herrschte auch in der Backstube, wo unter der Anleitung von Backmeister Günther Lutz leckeres Gebäck hergestellt wurde.

Im Rahmen einer Verkostung frisch zu bereiteter Weißwürste mit ofenfrischen Brezeln und Süßgebäck berichteten die Vertreter der beiden Innungen und die Fachlehrer über die Ausbildung und Anforderungen im Nahrungsmittelhandwerk. Im dualen System zusammen mit den Betrieben erfolgt in der Bertha-Benz-Schule die dreijährige Ausbildung in Theorie und Praxis. Hermann Knoblauch (Leiter Fachbereich Landwirtschaft und Ernährung) verwies darauf, dass der Berufsnachwuchs jede Woche jeweils  einen Tag Unterricht in Theorie und Praxis erhält. Hinzu kommt alle zwei Wochen ein weiterer Praxis-Tag und dazu gibt es zusätzlich Computer-Unterricht. Hermann Knoblauch bezeichnete den Computer-Unterricht als unbedingt notwendig, weil die Maschinen in den Werkstätten alle mit Computern ausgestattet seien.

Die Suche nach Berufsnachwuchs bezeichnete Harry Knoll von der Fleischer-Innung als ein Hauptproblem. Er untermauerte dies mit dem Hinweis, dass sich bei ihm in den vergangenen Jahren kein Einziger für eine Ausbildung gemeldet habe. Deshalb biete er Schülern laufend die Möglichkeit für ein Praktikum in seinem Betrieb an, der auch später nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung sichere Arbeitsplätze vor Ort biete.  Harry Knoll betonte jedoch ausdrücklich, dass er für seine Werkstatt gute Leute brauche, in der alle Maschinen computergesteuert seien. Für den Einstieg in das Fleischerhandwerk sei das Schnupper-Praktikum der beste Weg, denn er könne keine Leute gebrauchen, die ihre Ausbildung nach ein paar Monaten wieder abbrechen.

Obermeister Gerold Rebholz verwies darauf, dass die jungen Menschen im Rahmen ihrer Ausbildung im Bäckerhandwerk häufig in Arbeitsverhältnisse mit Familienanschluss kommen. Dieser soziale Aspekt sei auch sehr wichtig. Als alter Hase in Sachen Ausbildung vom Berufsnachwuchs erinnerte Gerold Rebholz daran, dass einer seiner Auszubildenden als Preisträger bei der letzten Lossprechungsfeier die Ansprache für die frisch gebackenen Gesellinnen und Gesellen gehalten habe. Leider gebe es auch junge Leute, die noch in ihrem Leben gearbeitet haben, die also auch noch nie näher an der Arbeit waren. Im Bäckerhandwerk gebe es auch einen anderen Arbeits-Rhythmus wie in manchem anderen Beruf. In der heutigen Zeit sei es auch recht anspruchsvoll geworden, in einer Bäckerei zu arbeiten, denn neben der Zuverlässigkeit stehe die konsequente Beachtung der Hygiene-Regeln an oberster Stelle.

Gerold Rebholz zeigte sich auch optimistisch für die Zukunft und erinnerte daran, dass bereits zu seiner Lehrzeit vor fast fünfzig Jahren geunkt worden sei, dass das Bäckerhandwerk sterben werde. Nach den aktuellen Ausbildungs-Zahlen könne vom Sterben des Bäckerhandwerks  keine Rede sein und außerdem habe man mit den Fachlehrern Günther Lutz, Steffen Blankenhorn, Patrick Mader und Stefan Bleicher eine Super-Schule für den Berufsnachwuchs. Hermann Knoblauch appellierte an die Teilnehmer, darüber zu informieren, dass eine Ausbildung im Nahrungsmittelhandwerk auch ein Sprungbett für Führungspositionen in artverwandten Berufen und für weltweite Karrieren (Hotellerie, Kreuzschiffahrt)  sei. Ausdrücklich verwies Hermann Knoblauch darauf, wie wichtig es sei, den Standort für die Ausbildung der Nahrungsmittelberufe an der der Bertha-Benz-Schule zu erhalten.  Geschäftsführer Karl Griener appellierte leidenschaftlich für den Schul-Standort, der auch eine Wirtschaftsförderung für den ländlichen Raum dar stelle.

 

 

Text und Fotos: Günther G. Töpfer