Gewerbliche, Ernährungs- und Sozialwissenschaftliche Schule Sigmaringen

Fünf ehemalige Schüler des Beruflichen Gymnasiums berichten aus dem Berufsleben

Was machen eigentlich ehemalige Schüler des Beruflichen Gymnasiums im richtigen Leben? Auf diese Frage erhalten Schüler und Lehrer meist nur per Zufall eine Antwort. Ganz anders beim Informationsabend des Beruflichen Gymnasiums. Eine Schülerin und vier Schüler, die am Beruflichen Gymnasium in Sigmaringen ihr Abitur gemacht haben, berichteten in der Bertha-Benz-Schule über ihre Studienzeit und den Einstieg in das Berufsleben. Über 100 interessierte Besucher - Schüler, Eltern und Lehrer - waren der Einladung des Fördervereins gefolgt und erwarteten gespannt die Vorträge der Ehemaligen, die auf unterschiedlichen Wegen zum beruflichen Erfolg gelangt sind.

 

 

Simon Göggel, der erste Referent des Abends, gehörte zum ersten Jahrgang, der 2009 am Technischen Gymnasium im neuen Profil Technik & Management sein Abitur absolvierte. Überzeugt von der Kombination der beiden Fachbereiche entschloss er sich zu einem Dualen Studium an der DHBW Ravensburg im Studiengang „Bachelor of Engineering  - Wirtschaftsingenieurwesen – Technisches Management. Sein Partnerunternehmen war die EADS, wo er in der Abteilung Integrated Logistic Support eingesetzt war. Das TG sei für ihn die optimale Vorbereitung auf das Studium gewesen, betonte Göggel. Er empfahl den Schülern, die Schulzeit zu nutzen, um sich über die eigenen Interessen bewusst zu werden, um später den richtigen Weg bei der Berufswahl einschlagen zu können. Außerdem sei es wichtig, sich alle Optionen offenzuhalten und sich nicht durch die Abwahl eines wichtigen Faches wie Chemie oder Physik vorzeitig einen Weg zu verbauen. Obwohl ihn die Technik fasziniert und er immer gerne getüftelt hat, entschloss sich Simon Göggel in Pfullendorf in eine Steuerkanzlei seiner Familie einzusteigen. In der kleinen Firma will er sein wirtschaftliches Know How einbringen und das Entwicklungspotential der Firma nutzen. Nebenher absolviert er ein Masterstudium im Kurs Wertorientiertes Management an der DHBW in Stuttgart. Eines ist sicher: langweilig wird ihm nicht.  

 

 

Benjamin Blatter, der 2005 das Abitur im Profil Technik gemacht hat, machte nach der Schulzeit zuerst eine Ausbildung als KFZ-Mechatroniker. Mit dem Gesellenbrief in der Tasche konnte er gelassen das Studium der Fahrzeugtechnik an der Hochschule Ravensburg-Weingarten angehen. Die praktische Erfahrung der Ausbildung war im Studium viel Wert und vor allem hatte Blatter ein klares Ziel vor Augen: er wollte daran mitarbeiten, technische Defizite in den Autos zu verbessern, die bei Wartungsarbeiten immer wieder zu Schwierigkeiten führen, weil praxisferne Ingenieure diese Probleme nicht vorhersehen. Schon während des Studiums ergatterte Blatter einen der begehrten Praktikumsplätze bei der Porsche AG, der ihm den späteren Weg in die Firma geebnet hat. Seine Aufgabe bei Porsche brachte Blatter knapp auf den Punkt: „Man muss die Physik kennen und sie ins Auto reinbringen, damit das Auto macht, was es soll.“ Ständig arbeitet er daran, das Fahrverhalten der Autos zu optimieren. Dazu gehören Testfahrten unter Extrembedingungen, beispielsweise in der Kälte der Antarktis oder Kanadas und in der Hitze des Death Valley in den USA oder in Südafrika. Benjamin Blatter machte den Schülern Mut, sich ein solches Studium zuzutrauen. Mathe werde zwar noch schlimmer wie im Abi, aber man werde an der Hochschule nicht alleine gelassen, sondern von den Professoren sehr intensiv betreut.

 

 

Gründe für die Wahl des Studiengangs können sehr unterschiedlich sein. Sarah Ramsperger war während ihrer Zeit am TG schon immer begeistert vom Fach Chemie, aber nach dem Abi, das sie 2005 im Profil Informationstechnik machte, noch ohne Plan für ihre Zukunft. Da ihr damaliger Handballtrainer Pharmatechnik studierte, probierte sie das Gleiche aus. An der Hochschule in Sigmaringen stellte sie schnell fest, dass dieses Fach genau das richtige für sie war. Nach dem Bachelor-Abschluss wechselte Frau Ramsperger an die Hochschule in Lemgo, wo sie Life Science Technologies studierte und 2011 mit dem Master abschloss. Der Wechsel der Hochschule sei nicht ganz einfach gewesen, weil im Masterstudiengang Inhalte vorausgesetzt worden seien, die in Sigmaringen nicht gelehrt wurden, aber er habe sich dennoch gelohnt. Wie Benjamin Blatter kam auch Sarah Ramsperger über ein Praktikum während des Studiums zu ihrem jetzigen Arbeitgeber.  Bei der amerikanischen Firma Abbott Laboratories hat sie die Aufgabe, Unternehmen zum Thema Arbeitssicherheit zu beraten. Hierzu machte sie noch eine Ausbildung als Fachkraft für Arbeitssicherheit und darf sich aufgrund ihres Studiums nun Sicherheitsingenieurin nennen. Einen ganz wichtigen Rat gab sie den Schülern mit auf den Weg: „Lernt Englisch, Leute!“ Sie wollte es in ihrer Schulzeit nicht wahrhaben, wie wichtig dies ist und muss nun in ihrem Betrieb einen Englischkurs belegen, weil man im Austausch mit den internationalen Kollegen die Sprache beherrschen muss.

 

 

Dominik Flöß startete seinen Vortrag mit der Überschrift „Nach dem Abi in die Physik.“ Schon im TG war er fasziniert von der Physik und er wollte unbedingt wissen, wie alle diese verrückten Dinge funktionieren. Für diese Vorhaben wählte er die Universität Karlsruhe aus, die damals Eliteuniversität war. Dass auch ein Physiker unbedingt gut Englisch können muss, wenn er im internationalen Forschungsbetrieb mitmischen will, wurde Flöß schnell klar. Deshalb entschloss er sich zu einem einjährigen Auslandsaufenthalt an der Heriot-Watt University in Edingburgh, in Schottland. Dort machte er den Master of Physics in Optoelectronics an Lasers. Aber nicht nur fachlich habe ihn der Auslandsaufenthalt bereichert, sondern vor allem auch persönlich durch den Austausch mit jungen Leuten aus der ganzen Welt. Zurzeit arbeitet Dominik Flöß an seiner Doktorarbeit im Bereich Nanowissenschaften und Optik an der Uni Stuttgart. Sein Ziel ist es die Funktion einer Diode in eine solch dünne Schicht zu packen, dass sie irgendwann einmal in ein Smartphone passt. Dass ihm das alles wahnsinnig viel Spaß macht, hätte er am Ende nicht extra betonen müssen, denn dies war während seines kurzweiligen Vortrags nicht zu übersehen. Das war auch sein Tipp für die Schüler: „Studiert, was euch Spaß macht, nur dann könnt ihr jeden Tag motiviert sein.“

 

 

1993 machte Thomas Volk die damals noch fachgebundene Hochschulreife am Ernährungswissenschaftlichen Gymnasium. Nach dem Abitur entschied er sich für den Lehramtsstudiengang in den Fächern Biologie und Chemie an der Universität Ulm. Sein eigentliches Interesse galt aber schon früh der Welt der Computer, die damals noch in den Kinderschuhen steckten. Einen Internetzugang gab es damals nur über ein Modem und wenn jemand im Wohnheim ins Internet wollte, musste das Telefon ausgesteckt werden. Dies war für Volk Motivation genug, sich an einem Projekt zur Vernetzung der Wohnheime zu beteiligen. Kurz darauf schrieb er sein erstes Computerprogramm, das schon bald in einer Computerzeitschrift vorgestellt wurde und ihm bei seiner ersten Bewerbung als Softwareentwickler als Visitenkarte diente. So machte Thomas Volk sein Hobby zu seinem Beruf. Zunächst arbeitete er als Softwareentwickler bei web.de, später bei der denkwerk GmbH und seit 2013 bei der innovas GmbH in Köln, wo er Versicherungssoftware für den Gesundheitsbereich entwickelt. Volk stellte fest, dass seine Branche auch heute noch sehr unkonventionell sei und viele dort Quereinsteiger zu finden seien.

Peter Schnurr, der Abteilungsleiter des Beruflichen Gymnasiums, und Urban Eschbach, der Vorsitzende des Fördervereins, bedankten sich bei den Referenten für die Einblicke in Studium und Beruf, die sie den Besuchen der Informationsveranstaltung geboten hatten und die den Schülern Orientierung bei ihrer Studien- und Berufswahl geben können. 

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